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Rundbrief Juniorwahl Nr. 2 / Mai 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

wir sind mitten drin im Superwahljahr und blicken zum Einen auf die Juniorwahl in Rheinland-Pfalz zurück, die zum größten Teil online stattgefunden hat, zum Anderen mit voller Vorfreude auf die noch ausstehenden Wahlen in diesem Jahr. In knapp fünf Monaten wird ein neuer Bundestag gewählt und wir freuen uns bereits über 2.600 angemeldete Schulen!

Viel Spaß beim Lesen!

Ihr Juniorwahl-Team

1 — Aktuelles

In 5 Monaten wird ein neuer Bundestag gewählt – Wir freuen uns bereits über 2.600 Anmeldungen zur Juniorwahl zur Bundestagswahl! Jetzt auch dabei sein und anmelden unter:

https://www.juniorwahl.de/anmelden.html

Auch zur Juniorwahl zur Landtagswahl Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und zur Berliner Abgeordnetenhauswahl können Sie sich mit Ihrer Schule jetzt anmelden!

Jetzt zur Juniorwahl anmelden:

Wie immer gilt: First come, first serve!

Weitere Infos zu den aktuellen Ausschreibungen finden Sie unter: https://www.juniorwahl.de/aktuell.html

2 — Fachinformation

Photo by Markus Winkler on Unsplash

Nach einem Jahr Pandemie und einem Wechsel aus Home-Schooling und Präsenzunterricht ist die digitale Müdigkeit fast überall zu spüren. Dennoch wollen wir die Gelegenheit nutzen, einmal auf die positiven Seiten zu verweisen und uns Formate, die durch die Coronakrise überhaupt erst entstanden sind beziehungsweise noch einmal einen Auftrieb bekommen haben, näher anzuschauen.

In der Zwischenzeit haben sich auch bewährte Formate aus dem außerschulischen Bildungsbereich an die neue Normalität angepasst. So fand anlässlich der Landtagswahlen 2021 in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz der Debattierkontest „Jugend debattiert mit Spitzenkandidaten" zum ersten Mal als digitale Veranstaltung statt. Bei dieser langjährigen Kooperation zwischen der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, die den Kontest "Jugend debattiert" initiiert und der Juniorwahl debattieren die Spitzenkandidierenden aller im jeweiligen Landtag vertretenen Parteien mit den Landessieger*innen des Wettbewerbs „Jugend debattiert“. Die*der Spitzenkandidierende wählt das Thema vorab selbst und nimmt dabei die Pro-Position ein, während die Jugendlichen die Contra-Position verteidigen. Erstmalig fanden diese Debatten im digitalen Raum statt und können auch im Nachhinein über die obigen Links noch einmal verfolgt werden.
Auch zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Juni 2021 ist die Durchführung der Veranstaltung digital geplant.

Andere Formate wurden eigens nach Ausbruch der Pandemie innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden gestampft. Für die Online-Talkrunde „Auf einen Kaffee mit…“ der evangelischen Trägergruppe, laden die beiden Moderator*innen Ole Jantschek und Annika Gramoll mehrmals im Monat Gäste aus den verschiedensten Bereichen rund um Bildung, Politik und Digitalisierung in den virtuellen Talkraum ein. Ursprünglich war für Ende März 2020 eine große Fachtagung zum Thema Digitalisierung geplant, da diese nicht wie geplant stattfinden konnte, wurde kurzerhand das Gesprächsformat umgesetzt. Gäste des Formats waren z.B. schon Bildungswissenschaftler Aladin El-Mafaalani (Uni Osnabrück), Katharina Nocun, Netzaktivistin und Autorin oder Ingo Dachwitz von der Initiative netzpolitik.org.
Formate wie dieses zeigen, dass politische Bildung auch digital funktionieren kann. Alle bisherigen Folgen können hier abgerufen werden.

3 — Neuentdeckungen

An dieser Stelle möchten wir Ihnen interessante Neuentdeckungen vorstellen:

Dieser Podcast der Bundeszentrale für politische Bildung reflektiert ein gutes Jahr Corona-Pandemie aus Sicht der Lehrkräfte. Nina Toller und Markus Christoph berichten, was sich ein Jahr nach den ersten Schulschließungen verändert hat.

Diese Neuerscheinung der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg macht Lust auf Demokratieunterricht! Hier geht es darum Demokratie zu erleben und zu erfahren. Die Materialien für die Grundschule und Sekundarstufe 1 unterstützen Schüler*innen in der Entwicklung demokratischer Kompetenzen. Durch die umfangreiche Visualisierung und eine sprachsensibele Gestaltung ist das Material für alle Schulformen geeignet. Kosten: 8,00 Euro.

 

Die Studie befasst sich mit der Gefühlswelt von Jugendlichen in der Corona-Pandemie. Wie geht es ihnen in dieser Zeit? Was bewegt sie, was macht ihnen Sorgen? Jugendforscher*innen der Universtität Frankfurt am Main und der Universität Hildesheim haben im April, Mai und November 2020 junge Menschen zwischen 15-30 Jahren befragt. Die Ergebnisse werden in dieser Publikation der Bertelsmann Stiftung vorgestellt.

In diesem neuen Online-Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung finden Sie alles rund um die Bundestagswahl: Informationen zum Wahlsystem, zu den antretenden Parteien, Hintergrundinfos, Unterrichtsmaterilaien und Erklärvideos. Durch den Einsatz von verschiedenen Medien und die gut aufgearbeiteten Inhalte eine Top-Ergänzung für den Unterricht zur Bundestagswahl 2021!

Ebenfalls von der Bundeszentrale für politische Bildung ist dieses schöne Online-Dossier zum Thema "Politische Bildung in einer digitalen Welt". Verschiedene Expert*innen diskutieren in diesem Dossier Ansätze, Methoden und Didaktik der politischen Bildung in einer digitalen Welt.

4 — Im Gespräch mit ...

Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung / bpb

1. Herr Krüger: Im Jahr 1952 wurde die Bundeszentrale für politische Bildung gegründet. Sind die Gründungsgedanken heute noch aktuell?
 
Demokratie stärken, Zivilgesellschaft fördern – unsere Gründungsgedanken leiten unsere Arbeit bis heute und bleiben auch weiterhin aktuell. Nur die Art und Weise, wie wir dieses Leitbild vermitteln, hat sich gewandelt. Waren es zu Beginn die schwarzen Hefte oder der Schülerwettbewerb, ergänzen wir heute altbewährtes mit multimedialen Angeboten wie Webvideos oder Podcasts. Die Gesellschaft in der wir leben verändert sich und an diesen Wandel passen wir uns an, um unseren Auftrag und Gründungsgedanken erfolgreich weiterführen zu können. Die Festigung der demokratischen Werte der Bundesrepublik ist noch immer unser Kern, aber die Themen und die Kanäle, über die wir die Menschen erreichen, haben sich erweitert, so wie untere Gesellschaft immer heterogener wird.

2. Sie selbst waren Bürgerrechtler in der ehemaligen DDR und haben eine friedliche Revolution erlebt. Welche Bedeutung hat politische Bildung für Sie persönlich?
 
Politische Bildung bedeutet nicht nur Politikunterricht. Sie das Ziel nicht nur Verständnis für politische Sachverhalte zu fördern, sondern auch Menschen in ihrer Meinungsbildung zu unterstützen und zu motivieren aktiver Teil der Zivilgesellschaft zu sein. Ein solches Engagement von Menschen, das gab es in der DDR in Form der friedlichen Revolution auch. Das hat mir gezeigt wie wichtig es ist, dass Bürgerinnen und Bürger sich nicht nur eine eigene Meinung bilden, sondern auch ihre Stimme erheben und das jeder von uns damit Veränderung anstoßen kann.
 
Politische Bildung ist ein Grundpfeiler der Demokratie, die uns unsere Freiheitsrechte verdeutlicht, die ich in der DDR nicht hatte. Sie ermöglicht Menschen, laut zu sein, in Diskussionen zu gehen, etwas zu riskieren und Gesellschaft mitzugestalten.

3. Welche Aufgabe hat in der heutigen Zeit die politische Bildung in unserer parlamentarischen Demokratie?
 
Die Demokratie lebt immer von der Debatte über ihren Inhalt. Eine Entscheidungsfindung hängt auch immer von dem Austausch an Argumenten ab. Gerade bei großen gesellschaftlichen Themen ist es wichtig, dass das große ganze im Parlament diskutiert wird. Aber auch ein Miteinander in der Demokratie kann ohne streitbaren Diskurs nicht funktionieren. Politische Bildung darf aus diesem Grund nicht bei der bloßen Wissensvermittlung stehen bleiben. Den Bürgerinnen und Bürgern müssen vor allem Werkzeuge an die Hand gegeben werden, um eigenständig an Informationen über politische Vorgänge herankommen und diese verarbeiten – sich eine eigene Meinung bilden und diese auch zu vertreten.
 
Demokratie muss immer wieder aufs Neue kennengelernt, erprobt und eingeübt werden. Sie lebt, wenn sie immer wieder erneuert wird.

4. Die Corona-Pandemie stellt auch die politische Bildung vor Herausforderungen. Wie lautet Ihr Fazit nach über einem Jahr Pandemie?
 
Diese Zeit wird uns und die Gesellschaft wie kaum ein anderes Ereignis der letzten Jahrzehnte verändern. Sie zeigt uns, wie verwundbar wir sind. Sie zeigt uns aber auch, wie stark wir sein können.
Wir erleben zurzeit eine wachsende Polarisierung und das müssen wir ernstnehmen. In demokratischen Gesellschaften geht es immer mal mehr und mal weniger Aufregung. Aber gerade besteht die Gefahr, dass demokratische Institutionen ihre Bindekraft verlieren, wenn bei Menschen das Vertrauen in Politik, Wissenschaft und Medien zurückgeht. Deshalb liegt es gerade jetzt an einer starken Zivilgesellschaft, Medienschaffenden und politischen Bildnerinnen und Bildnern diesen Pfeiler aufrecht zu halten. Die Pandemie hat auch noch einmal verstärkt die Gefahr von Verschwörungsideologien aufgezeigt, und bewiesen wie wichtig die Investition in Medienkompetenz ist. Besonders in dieser Zeit sind neben seriöser Argumentation auch Formate wichtig, die die Menschen zusammenbringen und einen Austausch ermöglichen.
 
Diese gesellschaftliche Ausgangssituation in Verbindung mit den Bedingungen einer Pandemie stellt auch uns noch immer vor große Herausforderungen. Trotzdem hat sich im letzten Jahr bewiesen, wie vielfältig, kreativ und spontan politische Bildnerinnen und Bildner sein können. In kürzester Zeit wurden nicht nur Veranstaltungen mit Hygienekonzept umgesetzt, sondern auch neue Formate und Räume der politischen Bildung konzipiert und realisiert. Es ist wichtig, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Dafür ist es auch weiterhin entscheidend diverse Angebote für unterschiedliche Zielgruppen zu gestalten und auch deren Lebensrealität – und die Herausforderungen, die die Pandemie auch ihnen stellt – im  Blick zu behalten, zu benennen und darauf einzugehen.

5. Herr Krüger, die Bundeszentrale für politische Bildung war vor zwanzig Jahren zur Bundestagswahl 2002 die erste öffentliche Institution überhaupt, die die Juniorwahl gefördert hat. Welche Förderphilosophie steckt bei der bpb dahinter?
 
Vor allem in Wahlen ist die Demokratie für viele Menschen am präsentesten und auch sichtbarsten. Wir wollen, dass auch junge Menschen sich mit dem Thema Wahlen beschäftigen. Wählen ist das höchste Gut in der Demokratie – wenn das auch junge Menschen erleben können ist die politische Bildung zum Anfassen.
Gerade in diesem Jahr erleben die Menschen durch die Pandemie, wie nahbar Politik ist. Es werden Entscheidungen getroffen, die den Alltag aller beeinflussen. Jugendliche sollen sich schon früh mit politischen Themen auseinandersetzen – aber nicht nur im Unterricht. Demokratie soll erlebbar gemacht werden. Jugendliche sollen merken, dass sie eine Stimme haben und was sie damit (in Zukunft) bewegen können.
 
Gleichzeitig beweist die Juniorwahl aber auch, dass auch Jugendliche politisch interessiert sind und eine Meinung haben. Sie verleiht Ihnen damit nicht nur eine Stimme, sondern schenkt ihr Öffentlichkeit und regt dazu an, sich mit ihr auseinanderzusetzen.
 
6. Was wünschen Sie der Juniorwahl für die nächsten 20 Jahre?
 
Dass die Juniorwahl bereits seit über 20 Jahren besteht, beweist, dass das Konzept erfolgreich ist und nicht nur politisch Bildende begeistert, sondern auch Jugendliche für Politik und die Teilnahme an Wahlen. Ich wünsche der Juniorwahl für die nächsten 20 Jahre, dass noch mehr Schulen an ihr teilnehmen und irgendwann alle Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, sich in einem bekannten Umfeld mit der Chance, aber auch der Verantwortung der Wahl auseinanderzusetzen und diese Begeisterung entwickeln zu können.

Herr Krüger, vielen Dank für das Gespräch!

5 — Juniorwahl in der Praxis

 
Frau Perl-Haag von der Georgen-Schule in Rheinland-Pfalz berichtet über die Online-Wahl an ihrer Förderschule und welche Erfahrungen sie damit gemacht hat.

Die Möglichkeit einer Online-Wahl bei der Juniorwahl bewertet Frau Perl-Haag in Pandemiezeiten als sehr positiv: „Der große Vorteil der Onlinewahl ist, dass die Schüler*innen dann wählen können, wann sie es möchten und nicht darauf angewiesen sind, in der Schule zu sein.“
 
Auch den Ablauf der Onlinewahl beschreibt die Lehrkraft als leicht verständlich:
„Ich fand den Vorgang sehr verständlich, besonders gut war auch, dass man sich die Wahlzettel vorher angucken konnte. Das Prozedere der Onlinewahl an sich ist sehr leicht - Das würde ich mir auch für viele andere Wahlen wünschen.“
 
Nichtsdestotrotz, sagt Frau Perl-Haag, ersetzt eine Online-Wahl nicht die Präsenzwahl: "Ansonsten würde ich Präsenz immer vorziehen, weil ich dann auch diese ganzen Dinge machen kann wie den Wahlvorstand wählen, Stimmen auszählen, das heißt ich kann die Jugendlichen wesentlich mehr mit einbinden in das ganze Wahlprozedere, was sie ja letztendlich dann auch lernen sollen in Präsenz: Wahlurnen und Wahlkabinen aufbauen und Wählerverzeichnisse abhaken. Das fand ich schon sehr gut in den vergangenen Präsenz-Juniorwahlen."

6 — Schlußanekdote


In über 20 Jahren Juniorwahl haben sich viele schöne Geschichten rund um die Wahlen an den Schulen angesammelt. Hier stellen wir Ihnen in jedem Rundbrief eine vor. Diesmal: Wie eine Mutter ihrem Kind die Wahlbenachrichtigung hinterher brachte...

Die Klasse 8a staunte nicht schlecht, als es mitten im Unterricht der ersten Stunden plötzlich an der Tür klopfte. Es war Frau Müller, die Mutter von Ben Müller. Mit rotem Kopf hielt sie die Wahlbenachrichtigung hoch und sagte Richtung Ben: "Ohne die kannst du doch heute gar nicht wählen! Die hast du zuhause vergessen!" Die Lehrerin Frau Walter schmunzelte und bedankte sich bei Frau Müller. "Das ist aber sehr aufmerksam von Ihnen. Vielen Dank fürs Vorbeibringen." Ben nahm die Wahlbenachrichtigung, die bereits mit seinem Namen und seiner Klasse ausgefüllt war, und setzte sich wieder hin. Die Klasse 8a war mitten drin in der Vorbereitung auf die Juniorwahl und gerade sahen sie sich die Wahlprogramme der einzelnen Parteien an, bevor es tatsächlich gleich gesammelt ins Wahllokal der Schule gehen sollte. Ein Glück hatte seine Mutter an die Wahlbenachrichtigung gedacht...sonst hätte er wirklich nicht wählen können, oder Frau Walter?

Die Lehrerin erklärte den Schüler*innen daraufhin, dass die Wahlbenachrichtigung sehr wichtig und bei den richtigen Wahlen zusammen mit einem Personalausweis mit ins Wahllokal zu bringen und dort vorzuzeigen sei. Aber selbst wenn man diese einmal vergesse, kann der Wahlvorstand einen dennoch im Wählerverzeichnis anhand des eigenen Ausweises finden und trotzdem darf man dann wählen.

Jetzt an der Juniorwahl teilnehmen: